Für alle statt für wenige


Aus dem Grossrat – Sitzung vom 26.9.2017 – Studenten sollen sich verschulden müssen – was für ein Armutszeugnis!

Von thleitch, 29. September 2017

Studenten sollen sich verschulden müssen – was für ein Armutszeugnis!

Mit 74 gegen 56 Stimmen beschloss der Grosse Rat die Einführung des Splitting-Modells bei Stipendien. In der ersten Lesung hatte die CVP noch dagegen gestimmt, jetzt hat sie einen Kurswechsel vollzogen. Künftig müssen Stipendienbezüger der tertiären Stufe (Universitäten, Fachhochschule, höhere Fachschulen) ein Drittel der Ausbildungsbeiträge als Darlehen verzinsen und dem Kanton zurückerstatten. Mit dieser Auflage rutscht der Aargau bei der Vergabe von Stipendien schweizweit auf den letzten Platz.

Ich bekämpfte dieses unselige Splittingmodell im Namen der SP. Es widerspricht klar der Chancengerechtigkeit, wenn sich junge Menschen aus finanziell schwachen Familien mit Darlehen verschulden müssen, um sich ihr Studium leisten zu können. Deshalb sind Stipendien für einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung von Bedeutung. Der Stipendienaufwand des Kantons Aargau liegt bereits heute unter den gesamtschweizerischen Durchschnittswerten. Mit der Einführung des Splittingmodells wird der Aargau im Stipendienwesen künftig den letzten Platz aller Kantone belegen, was für ein Armutszeugnis für unseren Kanton.

Studierende aus finanziell schwächeren Schichten werden eher eine längere Studiendauer in Kauf nehmen und zur Finanzierung des Studiums eine umfangreiche Nebenerwerbstätigkeit ausüben, als dass sie durch Darlehen eine langfristige Verschuldung eingehen wollen. Eine längere Studiendauer führt jedoch zu höheren interkantonalen Beiträgen des Kantons Aargau an die Universitäten. Zudem zeigt der Bildungsbericht Schweiz 2014 auf, dass eine Erwerbstätigkeit während des Studiums das Risiko eines Studienabbruchs erhöht.

Wir werden das Behördenreferendum ergreifen, sodass das Aargauer Stimmvolk das letzte Wort hat und dieses knausrige Stipendiengesetz hoffentlich ablehnt!